Dienstag, 22. Mai 2012

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    Das Pentagon gibt wichtige Veränderungen bei den US-Streitkräften in Europa bekannt

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      Generalleutnant Mark Hertling erläutert, was er Kongress-Mitgliedern erwidert hat, die ihm vorgehalten haben, für die US-Streitkräfte in Europa sei der Kalte Krieg wohl noch nicht zu Ende. (s. Video unter nachfolgendem Link) Von John Vandiver STARS AND STRIPES, 16.02.12 ( http://www.stripes.com/news/pentagon-lays-out-significant-cuts-to-u-s-forces-in-europe-1.168861 )

      LuftpostSTUTTGART, Deutschland ­ Jetzt ist es offiziell: Nach Ankündigungen aus dem Pentagon wird die in Deutschland stationierte 170. Infanteriebrigade noch in diesem Jahr aufgelöst (und abgezogen), und im nächsten Jahr wird ihr die 172. aufgeteilte Infanteriebrigade folgen; beide Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Umstrukturierung der US-Streitkräfte in Europa, zu der auch die Auflösung (und der Abzug) zweier Staffeln der US-Air Force und die Auflösung des in Wiesbaden stationierten V. Corps der US-Army gehören. Das Oberkommando aller US-Streitkräfte in Europa (das EUCOM in Stuttgart) gab bekannt, dass im Rahmen der Umstrukturierung die Army-Garnisonen in Schweinfurt und Bamberg bis spätestens 2015 geschlossen werden; auch die 81. A-10-Staffel in Spangdahlem in Deutschland mit 525 Air-Force-Soldaten und die 603. Luftüberwachungsstaffel (eine Boden-Luft-Radareinheit) aus Aviano in Italien mit 336 Air-Force Soldaten werden 2013 deaktiviert (und abgezogen). "Das US-Verteidigungsministerium wird zur weiteren Straffung seiner Streitkräfte im Ausland auch eine umfassende Bedarfsanalyse für den gesamten EUCOM- Befehlsbereich durchführen, die weitere Infrastruktur-Anpassungsmaßnahmen zur Folge haben könnte," teilte das EUCOM in einer Presseerklärung mit. Bereits im vergangene Monat hatte das US-Verteidigungsministerium den Abzug zweier schwerer Brigaden aus Europa angekündigt, ihre Namen aber noch nicht genannt.
      Da es aber nur zwei schwere US-Brigaden in Europa gibt, war es kein Ge heimnis, dass damit die 170. Brigade in Baumholder und die auf Grafenwöhr und Schweinfurt aufgeteilte 172. Brigade gemeint waren. Außerdem wird die US-Army in Europa im Lauf der nächsten fünf Jahre wahrscheinlich weitere 2.500 Soldaten verlieren, die zu kleinen Unterstützungseinheiten gehören. Damit wird sie um insgesamt 25 Prozent ihrer jetzigen Stärke schrumpfen. Gegenwärtig sind noch etwa 80.000 US-Soldaten (aller Teilstreitkräfte) in Europa stationiert. Durch die bereits vom Pentagon beschlossenen Änderungen wird sich diese Gesamtzahl zunächst um mehr als 11.000 Soldaten reduzieren. 1/7

      Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Verteidigungsminister Thomas de Maizière, die am Donnerstag (in Washington. s. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815880,00.html ) stattfand, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta, trotzdem bleibe ja noch eine beträchtliche US-Streitmacht in Europa erhalten. "Auch nach dem Truppenabzug wird es noch mehr als 40.000 US-Soldaten in Deutschland geben, die auf modernsten Truppenübungsplätzen trainieren können," erklärte er. De Maizière nannte den vom Pentagon verfügten Truppenabzug aus Europa eine Maßnahme, "mit der zwar die Quantität verringert, gleichzeitig aber die Qualität erhöht" werde. "Der Abzug von US-Truppen aus Deutschland macht mir keine Sorgen, weil ja noch genügend US-Soldaten in Deutschland bleiben werden," meinte de Maizière. Lt. Gen. (Generalleutnant) Mark Hertling, der Kommandeur der USAREUR (der US-Army in Europa), äußerte, die Verminderung ihrer Truppen verringere zwar die Fähigkeit der Army, Soldaten der Verbündeten auszubilden, die verbleibenden Einheiten spielten aber weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der guten Beziehungen (zu verbün deten Armeen). "
      Es tut noch nicht wirklich weh, wir werden aber unsere partnerschaftliche Aktivitäten reduzieren müssen," erklärter Hertling in einem Interview mit STARS AND STRIPES. Von den in Europa stationierten Army-Einheiten seien (neben Kampftruppen) auch die mit der Raketenabwehr und mit der Übermittlung von Nachrichten betrauten US-Einheiten wichtig, weil sie mit den Verbündeten das Abfangen von Raketen und die Abwehr von Cyber-Angriffen (auf die Kommunikationsnetze) üben müssten. "In den Konflikten der Zukunft werden solche Einheiten genau so wichtig wie ganze Kampfbrigaden sein," erläuterte Hertling. Eine Verbesserung der Effizienz will das US-Verteidigungsministerium auch durch zeitweise aus den USA nach Europa rotierende Einheiten erreichen. Die Ausarbeitung der Rotationspläne befinde sich aber noch im Anfangsstadium, fügte Hertling hinzu. Hertling ging auch näher auf die Umstrukturierung der in Europa verbleibenden Einheiten im Lauf des kommenden Jahres ein.

      Baumholder
      Auch wenn die 170. Infanteriebrigade, zu der etwa 3.800 Soldaten gehören, im Sommer 2012 aufgelöst wird, werde Baumholder als Garnison der US-Army erhalten bleiben. Die Brigade werde durch Logistik- und Technikeinheiten ersetzt, die derzeit noch in Schweinfurt und Bamberg stationiert seien, teilte Hertling mit. "Baumholder wird bedeutend kleiner werden," erläuterte Hertling, er rechne mit einer Reduzierung der dort beheimateten US-Truppen um 40 Prozent. Nach USAREUR-Angaben werden künftig nur noch etwa 2.000 Soldaten mit 3.000 Familienmitgliedern in Baumholder stationiert sein. 2/7

      Grafenwöhr
      Die 172. Brigade, die ihr Hauptquartier in Grafenwöhr aber auch noch Truppen in Schweinfurt hat, werde bis zum Sommer 2013 deaktiviert, sagte Hertling. Grafenwöhr werde aber dennoch kaum Soldaten verlieren. "Grafenwöhr ist der wichtigste bleibende Standort der US-Army," betonte Hertling. "Wegen seiner ausgezeichneten Einrichtungen, seiner hervorragenden Wohnungen und seiner guten Trainingsmöglichkeiten werden wir versuchen, seine jetzige Kapazität zu erhalten." Wahrscheinlich werde man andere Einheiten nach Grafenwöhr verlegen, um die Lücke zu schließen, die durch den Abzug der 172. Brigade entstehe, und die verleg ten Soldaten könnten auch aus "Kampfeinheiten" (in Vilseck oder Ansbach?) kommen, erläuterte Hertling.

      Wiesbaden
      Auch das V. Corps (s. http://de.wikipedia.org/wiki/V._US-Korps ), das im Lauf dieses Jahres noch nach Afghanistan verlegt werden soll, werde deaktiviert, wenn dieser Einsatz beendet sei, verlautete aus dem Pentagon. Wenn die jetzt dem Hauptquartier des V. Corps unterstellten rund 750 Soldaten aus Afghanistan zurückkämen, würden sie andern Einheiten zugeteilt. Als Lt. Gen. James L. Terry im Januar 2012 den Befehl über das V. Corps übernahm, hatte Hertling dieser Einheit noch bescheinigt, "wie Phönix aus der Asche" aufgestiegen zu sein, und damit Bezug auf die (damals noch geltende) Entscheidung genommen, dieses Corps, das 2009 schon einmal aufgelöst werden sollte, als einziges US-Corps dauerhaft im Ausland zu stationieren. (Weitere Informationen zum V. Corps sind aufzurufen unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP12809_110609.pdf und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP15610_230710.pdf .)

      Andere Veränderungen
      Auf verschiedenen Basen in Europa eingesetzte Einheiten der Reserve der US-Army könnten nach USAREUR-Angaben auf andere Basen in Europa verlegt werden. Dabei werde sich jedoch weder die Anzahl der Einheiten noch die Anzahl der ihnen zugeteilten Reservisten ändern. In Zukunft könnte es in Europa sogar wieder einen leichten Anstieg der US-Truppen geben, weil das Pentagon mehr Soldaten der Special Forces auch auf diesen Kontinent verlegen möchte. "Wir wollen die Zusammenarbeit mit den Spezialkräften unserer NATO-Partner verbessern," hat das EUCOM mitgeteilt. Außerdem ist nach EUCOM-Angaben geplant, eine Sondereinsatzgruppe in Bataillonsstärke aus einer schweren, in den USA stationierten Kampfbrigade auszugliedern und der NATO Response Force (s. http://de.wikipedia.org/wiki/NATO_Response_Force ) für gemeinsame Übungen mit den Verbündeten zur Verfügung zu stellen. Seit 2006 hat USAREUR durch Verdichtungs- und Transformationsmaßnahmen fast 100 Basen mit einem Neuwert von mehr als 9 Milliarden Dollar geschlossen. Die 3/7

      USAREUR ist außerdem dabei, in der Region Mannheim / Heidelberg weitere Infrastruktur-Einrichtungen im Wert von noch einmal 5 Milliarden Dollar zu schließen und will damit jährlich mehr als 100 Millionen Dollar einsparen.

      Die weitere Entwicklung
      Hertling hofft, dass der Truppenabbau damit zunächst einmal abgeschlossen ist, gibt aber zu bedenken, dass es (im US-Kongress) viele Kritiker der US-Präsenz in Europa gebe. Die könnten fragen, ob die US-Army, wenn sie nur noch zwei Brigaden in Europa belasse, überhaupt noch das große Trainingszentrum in Grafenwöhr und andere Unterstützungseinheiten in Europa brauche. "Es gibt viele Erbsenzähler im Kongress, die noch viele Fragen stellen werden," fügte Hertling hinzu. "Ich habe heftig darum kämpfen müssen, dass die restlichen Einheiten hier bleiben können." Weil das Pentagon im nächsten Jahrzehnt 487 Milliarden Dollar einsparen muss, ist auch die Schließung von Militärbasen in den USA vorgesehen. Deshalb fordern einige Kongress-Mitglieder noch viel tiefere Einschnitte in Europa. "Ich habe die Herrschaften darauf hingewiesen, dass die USAREUR auch Truppen für andere Regionalkommandos und nicht nur für Europa und Afrika abzustellen hat und außerdem zur Abwehr von Cyber-Angriffen beitragen und das Special Operations Command in Stuttgart (s. http://www.soceur.eucom.mil/ ) unterstützen muss. "Ich musste ihnen sagen, dass wir mit Special Operations Forces allein nicht besonders weit kommen. Die brauchen die USAREUR, um in Europa überhaupt kommunizieren zu können und für eine ganze Reihe weiterer Unterstützungsleistungen," ereiferte sich Hertling. "Sie stellen sich das sehr eindrucksvoll vor, wenn hier eine ganze Menge Kerle mit grünen Baretten herumlaufen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Army_Special_Forces_Command_%28Airborne%29 ), aber ohne die Unterstützung der USAREUR könnten die nicht allzu viel tun." (Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Hoffentlich gelingt es Senatoren und Abgeordneten im US-Kongress, die der US-Präsenz in Europa kritisch gegenüberstehen, durchzusetzen, dass in absehbarer Zeit möglichst alle US-Truppen aus der Bundesrepublik Deutschland abgezogen werden. Wie lange wollen unsere Politiker auf allen Ebenen eigentlich noch warten, bis sie endlich anfangen, über eine Zukunft ohne US-Militär und über aussichtsrei che Konversionsprojekte nachzudenken? Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)

      luftpost


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