In der letzten Ausgabe der kritischen Zeitung „Diagonal" wurde eine kleine Geschichte des spanischen Generalstreiks veröffentlicht die im Folgenden in deutscher Übersetzung zu lesen ist:
„Einer der ersten Streiks der spanischen Geschichte fand in der Fabrik de Paños de Brihuega in Guadalajara im Jahr 1730 statt. Aber die eigentliche Wurzel der Entstehung und Entwicklung der spanischen Arbeiterbewegung war erst nach der Revolution 1868, als der Generalstreik zu einem wichtigen Instrument des Kampfes der Arbeiterklasse wurde. Die Bauernbewegung in Andalusien gegen Ende des 19. Jahrhunderts, hatte bereits viel von den späteren Massenmobilisierungen. Und die Entwicklung der „Federación de la Región Española" (spanische Sektion der ersten Internationalen) in den Jahren 1870 bis 1874 und der "Federación de las Trabajadores de la Región Española" (der Nachfolgeorganisation) in den Jahren 1880 und 1888 waren bereits ein Vorgeschmack auf den kommenden Aufstieg der Arbeiterbewegung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab Francisco Ferrer in Barcelona eine Zeitung mit dem anregenden Titel „La Huelga general" (Der Generalstreik) heraus. In den Jahren 1902 und 1903 fanden mehrere Streiks zur Verbesserung der Bedingungen der Arbeiterklasse statt. Diese führten dazu, dass die Regierung von Azcárraga, auf Grund des Drucks der Streikbewegung, dem „Ley del Descanso Dominical" (etwa: Gesetz zur sonntäglichen Arbeitspause) zustimmte. Eines der ersten materiellen Fortschritte der Lebensbedingung en der Arbeiterklasse. Die Situation der Arbeiter, die dazu gezwungen waren in den Krieg gegen Marokko zu ziehen, provozierte eine Reaktion seitens der gewerkschaftlichen Organisationen. So kam es im Jahr 1909, zufälligerweise gleichzeitig mit der Einschiffung von Truppen nach Marokko, nach dem Desaster von Barranco del Lobo, zu einem Generalstreik gegen den Krieg und für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse. Dieser wurde bekannt als „tragische Woche von Barcelona", die mit heftiger Repression und fünf Erschießungen endete, einer der ermordeten war Francisco Ferrer.
1910 entstand die CNT (Confederación Nacional del Trabajo) und wurde ein Jahr später zum Protagonisten eines Generalstreiks, den sie selbst einberief. Das führte gleich zu ihrem Verbot (bis 1914). Zur selben Zeit (1913) wurde in Barcelona der Aufruf zum „huelga de la constancia" (Streik der Standhaftigkeit bzw. Ausdauer) ausgegeben, dessen Träger in der Mehrzahl Frauen waren.
Der revolutionäre Generalstreik im August 1917 entstand aus einem taktischen Pakt der CNT mit der sozialistischen UGT. Die darauf folgende Repression der Regierung war brutal und das komplette Streikkomitee landete im Knast. Im folgenden Jahr kam es in Barcelona zum so genannten Streik von la Canadiense (La Canadienjse war eine Elektrizitätsunternehmen in Barcelona). Dieser Streik (der aus Solidarität mit acht gefeuerten Arbeitern entstand) führte zu Verhandlungen mit der Regierung, wodurch schließlich der Achtstundentag in Spanien einführt wurde - eine historische Forderung der Arbeiterbewegung.
Während der Diktatur Primo de Riveras waren die revolutionären gewerkschaftlichen Organisationen verboten, weshalb sich die Kämpfe auf anderen Gebieten verlagerten. Mit der Proklamation der ersten spanischen Republik im Jahr 1931, und der Besetzung des Postens des Arbeitsministers mit Francisco Largo Caballero, einem Gewerkschaftler der UGT, wurden einige Forderungen der Arbeiter erfüllt. Allerdings nicht alle. Schon im Mai 1931 proklamierte die Gewerkschaft „Sindicato Único Telefónico" der CNT einen Generalstreik. In den folgenden zwei Jahren führten eben so viele Anhänger der CNT wie der UGT Streiks durch, da sie ihre Erwartungen auf Verbesserung der Lebensbedingungen in der Republik nicht erfüllt sahen. Nach dem Sieg der Rechten im November 1933, rief die CNT einen Generalstreik für den Dezember gleichen Jahres aus. Dieser war ein kompletter Fehlschlag. Während des Jahres 1934 sorgte die Strategie der direkten Aktion für einige Erfolge der Arbeiterbewegung, wie zum Beispiel beim Streik der Kellner in Madrid.
Die größte revolutionäre Erhebung entstand allerdings im Oktober 1934, als bereits deutlich wurde, dass die erkämpften Rechte und Freiheiten durch die spanische Rechte bedroht wurden. Der Streik war aber nur in Asturien erfolgreich, wo ein Pakt von Anarchisten, Sozialisten und Kommunisten dazu führte, dass in einigen Gebieten der Provinz eine sozialistische Republik und des libertäre Kommunismus ausgerufen wurde. Die anschließende staatliche Repression war fürchterlich.
Bleibt zu erinnern an den wichtigen Bauarbeiterstreik im Frühjahr 1936 mit einem großen Streikkomitee aus UGT und CNT in Madrid, der dafür sorgte, dass wichtige Aktivisten der Gewerkschaften ins Gefängnis mussten, wie z.B. Capriano Mera (CNT). Mit dem Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs, verlagerten sich die Kämpfe in andere Bereiche, und der Sieg der Putschisten unter Franko setzte die Arbeiterbewegung einer langen Zeit der Repression und des Verbechens aus.
www.diagonalperiodico.net
www.cnt.es
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