Freitag, 18. Mai 2012

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    Vergessene Geschichte 4: Die Zerstörung von Dresden 1945

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      Foto: Richard Peter

      Im Februar 1945, wenige Monate vor der Kapitulation Nazi-Deutschlands, warfen britische und amerikanische Bomber 200.000 Spreng- und 650.000 Brandbomben über dem Dresdner Stadtzentrum ab. Das Flächenbombardement hinterließ nach umstrittenen Schätzungen mehr als 20.000 Tote. Die Stadt lag in Trümmern, schreibt Martin Maurer.

      Am 13. Februar diesen Jahres gedenkt Dresden der Opfer des Bombenangriffs. Nazis aus ganz Deutschland und darüber hinaus missbrauchen den Gedenktag seit Jahren, um unter dem Deckmantel des Gedenkens an die Opfer einen Großaufmarsch zu veranstalten. Letztes Jahr folgten 7000 Neonazis dem Aufruf nach Dresden. Die deutschen Neonazis nutzen die Trauer vieler Dresdnerinnen und Dresdner, um die Geschichte umzuschreiben. Die NPD spricht sogar vom „Bombenholocaust" und relativiert damit die Verbrechen der Naziherrschaft.

      Für diesen Februar rufen antifaschistische Netzwerke, Gewerkschaften, Linkspartei, ATTAC und viele andere zu einer Gegendemonstration auf. Unter dem Motto „Dresden stellt sich quer" wollen die Organisatoren den Naziaufmarsch blockieren.

      Wenn Nazis die Trauer der Bevölkerung umdeuten wollen, darf ihnen nicht das Feld überlassen werden. Insofern muss sich auch die Linke zum Bombenangriff auf Dresden positionieren. Ein Teil des anitfaschistischen Protestbündnisses benutzt den Slogan „Deutsche Täter sind keine Opfer". Hinter dem Slogan steckt der Gedanke, dass Deutschland die Bombardierung verdient hätte, weil die Deutschen keinen Volksaufstand gegen Adolf Hitler durchführten und so eine „Kollektivschuld" tragen würden. Trauer- und Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Bombardierungen werden dadurch als Reinwaschung der Schuldigen per se abgelehnt. Diese Argumente sind sehr problematisch: Sie treten die vielen – tatsächlich oft unschuldigen - Opfer mit Füßen, erschweren eine breite antifaschistische Mobilisierung und ignorieren die zahlreichen Widerstandsgruppen während der NS-Zeit.

      Viele Deutsche (und genauso Österreicherinnen und Österreicher) halfen aktiv mit, den Terror der Nazis auszuweiten. Mindestens ebenso viele schauten weg und interessierten sich nicht für das Schicksal von Millionen Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, Homosexuellen oder Kommunisten. Aber es gab auch Widerstand, der vor allem von der Linken getragen wurde, der sich aber auch weit ins bürgerlich-christliche Lager ausbreitete. Widerstand wurde in diversen Formen geleistet: Von Attentatsversuchen auf Nazi-Größen, über Sabotage und Desertationen bis zum illegalen Verteilen von Flugblättern.

      Die Terrorherrschaft von SS und Gestapo machte Widerstandsaktivitäten zum gefährlichen Spiel mit dem Tod. Ein Gestapo-Bericht vom April 1939 führt auf, dass zu diesem Zeitpunkt 163.734 Menschen aus politischen Gründen in Untersuchungshaft saßen. Die These von der Kollektivschuld der Deutschen hält diesen Fakten nicht stand. Ganz abgesehen davon, dass dadurch die Taten tausender Widerstandskämpferinnen und -kämpfer unter den Teppich gekehrt werden.

      Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung bei den NS-Verbrechen entweder mithalf oder zumindest wegsah, war die Bombardierung Dresdens keine „gerechte" Antwort. Flächenbombardements töten wahllos zehntausende Menschen und unterscheiden nicht zwischen Freund und Feind. Der deutsche Aktivist und Redakteur der Zeitschrift Marx21, Stefan Bornost, schreibt: „Der Nazi-Funktionsträger wird genauso getroffen wie derjenige, der Juden bei sich versteckt hat, oder der Kommunist, der Widerstand gegen die Nazis organisierte, oder der Säugling, der noch gar keine individuelle Schuld haben kann." In der Bombennacht wurde zum Beispiel die Gefangenenanstalt Mathildenstraße stark zerstört, 400 Insassen, darunter politische Gefangene, Dresdner Juden und viele Tschechen starben.

      Das Flächenbombardement war darauf ausgelegt, die deutsche Industrie lahmzulegen. Deswegen wurden nicht nur Industriestandorte bombardiert, sondern ebenso auch die dicht bebauten Städte, um möglichst viele Arbeiterinnen und Arbeiter zu töten. Als Antifaschistinnen und Antifaschisten dürfen wir daher nicht der Versuchung erliegen, den alliierten Bombenhagel auf Dresden als antifaschistische Tat zu feiern. Wer Auschwitz hasst, muss nicht Dresden lieben.

      Ganz im Gegenteil, müssen wir Linke ein System anklagen, in dem Menschen nichts zählen und das hinter Faschismus und Krieg steckt. Hinter dem Slogan „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg" steckt deshalb keine Verharmlosung der NS-Herrschaft sondern konsequenter Antifaschismus, in der Tradition des heroischen Widerstands im Dritten Reich.
      Linkswende


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